Sollten die USA den Iran angreifen, würde der Ölpreis innerhalb von Stunden explodieren. Experten halten in einem solchen Szenario einen Sprung auf 120 bis 150 Dollar pro Barrel für realistisch. Der Iran fördert aktuell (Stand Januar 2026) rund 3,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und stabilisiert damit seine Produktion auf einem Mehrjahreshoch. Der Hauptgrund für die Panik wäre jedoch die Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr fließen täglich rund 20 % des weltweiten Öls. Da der Iran seine eigene Förderung bei einem Angriff nicht mehr exportieren könnte und gleichzeitig die Durchfahrt blockieren dürfte, würde die physische Verknappung den Weltmarkt sofort in den Ausnahmezustand versetzen.
Der China-Faktor: Pekings strategische Ader
Besonders brisant ist die enge Verflechtung mit Fernost. Der Iran liefert den Löwenanteil seines Exports – etwa 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel pro Tag – direkt nach China. Für Peking ist das iranische Öl eine lebenswichtige Energiequelle, die oft über Schattenflotten und unter Namen wie „malaysisches Öl“ gehandelt wird, um US-Sanktionen zu umgehen. Tatsächlich gehen fast 90 % der iranischen Ölexporte nach China. Ein Angriff der USA wäre somit auch ein direkter Schlag gegen die wirtschaftliche Stabilität Chinas. Sollten diese Lieferungen versiegen, müsste Peking massiv auf den Weltmarkt ausweichen, was die Preise für alle anderen Abnehmer, inklusive Europa, massiv nach oben treiben würde.
Alternativen und Puffer: Wer kann einspringen?
China hat für den Ernstfall vorgesorgt und seine strategischen Ölreserven auf einen Rekordwert von über 1,2 Milliarden Barrel ausgebaut. Dennoch bräuchte Peking dauerhaften Ersatz für die iranischen Mengen. Als wichtigste Alternative stünde Russland bereit, das bereits jetzt der größte Öllieferant Chinas ist. Auch Saudi-Arabien verfügt über freie Förderkapazitäten (Spare Capacity) von rund 1,5 bis 2 Millionen Barrel pro Tag, die im Krisenfall aktiviert werden könnten. Das Problem für China ist jedoch der Preis: Iranisches Öl wird derzeit mit massiven Abschlägen von bis zu 10 Dollar pro Barrel gegenüber der Sorte Brent verkauft. Ein Wegfall dieser Rabatte würde Chinas Energierechnung um Milliarden verteuern.
Langfristige Folgen: Ende der Verlässlichkeit
Langfristig würde ein solcher Krieg die globale Energielandkarte dauerhaft verändern. Zwar könnten die USA durch ihre eigene Rekordförderung von über 13,5 Millionen Barrel pro Tag einen Teil der globalen Last abfedern, doch die Infrastruktur am Persischen Golf bliebe auf Jahre hinaus verwundbar. Für die Weltwirtschaft könnte dies der finale Weckruf sein: Ein dauerhaft extrem hoher Ölpreis wirkt wie eine Wachstumsbremse. Staaten würden den Umstieg auf erneuerbare Energien und nukleare Optionen massiv beschleunigen, um sich aus der Erpressbarkeit durch fossile Krisenregionen zu lösen.
