Wer das erste Mal auf einen Point & Figure Chart blickt, fühlt sich oft an eine Partie Tic-Tac-Toe erinnert. Doch hinter der simplen Fassade aus X und O verbirgt sich ein hocheffizientes Filtersystem, das die nackte Wahrheit über Angebot und Nachfrage ans Licht bringt. Während klassische Charts oft von nervösem Hin und Her geprägt sind, zwingt Point & Figure den Markt in ein logisches Korsett, das nur echte Bewegung zulässt.
Die Sprache der Sieger: X-Säulen und O-Säulen
In der Welt von Point & Figure gibt es keine Kerzenkörper oder Dochte. Hier regieren zwei Symbole: Das X steht für steigende Preise und zeigt uns, dass die Bullen das Ruder fest in der Hand halten. Jedes X ist ein kleiner Sieg der Käufer. Im Gegensatz dazu markiert das O fallende Kurse und spiegelt die Dominanz der Bären wider.
Das Besondere dabei ist die strikte Trennung: In einer Spalte finden Sie niemals beide Symbole gemischt. Eine Säule wächst so lange in die Höhe oder Tiefe, wie der Trend anhält. Erst wenn der Markt sich zu einer signifikanten Richtungsänderung bequemt, wird eine neue Spalte begonnen. Diese visuelle Klarheit ist Gold wert, da sie Ihnen sofort zeigt, welche Partei gerade den Ton angibt.
Die Box-Größe: Ihr persönlicher Rauschfilter
Der wohl genialste Aspekt dieser Methode ist die Box-Größe. Stellen Sie sich diese als eine Art Türsteher vor, der nur Bewegungen einlässt, die wichtig genug sind. Sie legen fest, ab welcher Kursveränderung (zum Beispiel 1 Euro oder 0,5 %) ein neues Symbol eingetragen wird. Alles, was darunter liegt, wird vom Chart schlichtweg ignoriert.
Durch diese Mechanik verschwindet das tägliche Marktrauschen fast wie von Zauberhand. Während andere Trader bei jedem kleinen Kurshüpfer nervös werden, bleibt Ihr Point & Figure Chart ungerührt, bis eine echte Relevanz erreicht ist. Sie handeln nicht mehr auf Basis von Hektik, sondern auf Basis von Substanz. Diese Objektivität macht die Methode zu einem der ehrlichsten Werkzeuge der technischen Analyse.
