Ein offener Konflikt mit dem Iran würde die globalen Märkte in einen Zustand extremer Volatilität versetzen. In einem solchen Szenario zählt für Investoren nur eines: Die Spreu vom Weizen trennen. Während ein breiter Aderlass bei Aktien droht, entwickeln sich bestimmte Nischen zu regelrechten Rettungsankern. Dabei spielt die „America First“-Doktrin der aktuellen US-Regierung eine entscheidende Rolle für die Bewertung.
Das Energie-Beben: Öl als Waffe und Preistreiber
Sobald der erste Schuss fällt, würde der Ölpreis (Brent) die 100-Dollar-Marke wohl nur noch im Rückspiegel sehen. Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr der Weltwirtschaft; eine Blockade würde das Angebot massiv verknappen. Während dies für Airlines und Logistiker ein finanzielles Desaster wäre, profitieren US-Energiekonzerne und Fracking-Spezialisten. Unter Trump wird die heimische Förderung zwar forciert, doch ein globaler Preisschock ließe sich kurzfristig kaum abfedern.
Verteidigungswerte: Die Gewinner der neuen Realität
Für Rüstungsaktien wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk würde ein solcher Krieg wie ein Brandbeschleuniger wirken. Die ohnehin schon hohen Verteidigungsausgaben der NATO-Partner müssten vermutlich nochmals massiv aufgestockt werden, um die Flanken zu sichern. Der Fokus läge hierbei auf Raketenabwehr und elektronischer Kampfführung – also genau den Feldern, auf denen Hensoldt seine Stärken ausspielt. Die Forderung nach dem 3-Prozent-Ziel würde zur unumstößlichen Pflicht.
Gold und Fluchtwährungen: Das emotionale Sicherheitsnetz
In der Sekunde der Eskalation flieht Kapital in den „sicheren Hafen“. Gold würde als wertbeständiger Sachwert massiv gesucht werden, da es kein Gegenparteirisiko kennt. Parallel dazu dürfte der US-Dollar massiv aufwerten – zum einen durch den Status als Weltreservewährung, zum anderen durch die Funktion der USA als Energieexporteur. Staatsanleihen könnten kurzzeitig gesucht sein, leiden aber langfristig unter der Inflationsgefahr durch steigende Energiekosten.
Tech und Krypto: Zwischen Wachstumshoffnung und Verkaufsdruck
Wachstumswerte, darunter auch Giganten wie Nvidia, könnten kurzzeitig unter Druck geraten. Krieg bedeutet Unsicherheit in den Lieferketten und steigende Zinsen zur Inflationsbekämpfung – beides Gift für hohe Bewertungen. Bitcoin wird oft als „digitales Gold“ beworben, verhält sich in echten Panikmomenten jedoch häufig wie ein Risiko-Asset: Anleger verkaufen alles, was liquide ist, um Cash-Reserven aufzubauen. Erst nach dem ersten Schock zeigt sich, ob die Krypto-These hält.
